Stolpersteinverlegung in Elz

Am Montag, 15. Mai fand die Verlegung der ersten acht Stolpersteine in Elz statt. Rund 30 Elzer Bürger sowie Schüler der Erlenbachschule Elz fanden sich am Montagmorgen auf dem Hirtenplatz ein, um der Verlegung durch Gunter Demnig beizuwohnen. Auf den Steinen sind die Namen der NS-Opfer, wesentliche Daten ihrer Biografie sowie der Verfolgungshintergrund nachzulesen.
Schüler der 9.Klasse der Erlenbachschule verlasen bei jedem Stein die Biografien der Opfer, während Gunter Demnig vorhandene Pflastersteine heraus stemmte, um die Stolpersteine in die entstandenen Lücken einzusetzen. Mit routinierten Handgriffen verlegte er die Steine vor den jeweils letzten Wohnorten der Menschen, die aufgrund ihrer Religion, ihrer politischen Gesinnung oder einer Krankheit verfolgt wurden. Martina Hartmann-Menz legte an jedem Stein Blumen nieder und jeder Teilnehmer verharrte einen Moment beim Lesen der Inschrift.
Folgende Steine verlegte Demnig: Hugo Meyer auf dem Rathausplatz, Jakob Müller in der Alexanderstraße, Isaak und Bella Ellendmann in der Mühlstraße, Albert und Emmy Rosenthal in der Augustastraße, Johann Abel in der Schmidtstraße sowie Karl Suchan in Malmeneich.

 

 


Biografien zu den Elzer Stopersteinen
Die Urheberschaft aller Biografien liegen bei Frau Martina Hartmann-Menz

Biografie von Jakob Müller, Elz

Biografie von Albert und Emmy Rosenthal aus Elz

Biografie von Hugo Meyer

Die Normalität des Grauens

Bericht mit Bild aus der NNP vom 30.03.2017 von Heike Lachnit
Martina Hartmann-Menz hat über die NS-Vergangenheit der Elzer geforscht und will mit Stolpersteinen der Opfer gedenken
Mehr als drei Jahre hat sich die Historikerin Martina Hartmann-Menz mit der NS-Geschichte der Elzer beschäftigt: Am 15. Mai werden in Elz die ersten acht Stolpersteine verlegt, um der Verfolgten des NS-Regimes zu gedenken.

 

 


Aufschlussreicher Vortrag zur NS-Zeit in Elz

Vor der offiziellen Stolpersteinverlegung von acht Erinnerungsquadern informierte die Historikerin Martina Hartmann-Menz auf Einladung der Gemeinde Elz über den Nationalsozialismus in Elz. Die Veranstaltung mit Vortrag und Raum für eine anschließende Diskussion war überaus gut besucht. Neben einigen wenigen Zeitzeugen fand sich ein bunter Querschnitt aus Jung und Alt im Historischen Rathaussaal ein. Mit so viel Zuspruch und Interesse hatte man zuvor gar nicht gerechnet. Schnell wurden die fehlenden Stühle nachgestellt. Unter den Gästen fanden sich auch Vertreter der SPD-Fraktion, die das Thema Stolpersteinverlegung in Elz durch einen Antrag an die Gemeindevertretung erst ins Rollen gebracht haben. Als besonderen Gast konnte man den Limburger Stadtarchivar, Dr. Christoph Waldecker begrüßen.

 



Spendenaufruf für Stolperstein-Aktion
Die Gemeinde Elz hat für die Umsetzung des Stolperstein-Projektes in unserer Gemeinde ein Spendenkonto eingerichtet. Ein Stolperstein kostet 120,- €, aber natürlich werden auch gerne Kleinbeträge entgegengenommen. Kleine Summen ergeben zusammen dann auch einige Stolpersteine, die für unseren Zweck benötigt werden.
Spenden in jeglicher Höhe für die Finanzierung der Aktion werden mit dem Vermerk „Stolpersteine“ im Verwendungszwecks gerne auf das Konto IBAN: DE67 51050015 0530 000079 erbeten. Eine Spendenquittung kann auf Wunsch auf der Gemeindekasse, Zimmer 05 durch unseren Kassenleiter Sebastian Herborn, Tel. 9575-40 ausgestellt werden. Weitergehende Informationen entnehmen Sie bitte der Homepage des Projektes Stolpersteine www.stolpersteine.eu.

Erinnerung und Bewusstsein schaffen mit Stolpersteinen
 

Am 15. Mai 2017 werden in Elz erstmalig Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt
Stolpersteine sind kleine, quaderförmige Messingtafeln, die im öffentlichen Raum vor dem letzten frei gewählten Wohnort von Verfolgten des NS-Regimes in den Bürgersteig eingelassen werden. Die Intention dieses europaweiten, von Gunter Demnig entwickelten Kunstprojekts ist,  die mit dem Jahr 1933 abgebrochenen Biografien jener Menschen  im öffentlichen Raum sichtbar zu machen, die Opfer des NS-Regimes wurden. Stolpersteine werden für Opfer des Patientenmordes, der sog.  „Euthanasie“, für jüdische Opfer und Emigrierte wie auch für politisch Verfolgte verlegt. In den Stolpersteinen sind die wesentlichen biographischen Daten der Opfer und Verfolgten wie auch der jeweilige Verfolgungshintergrund nachzulesen.

Bildunterschrift: Stolperstein in Limburg (Verlegung 07/2016)

Nach derzeitigem Forschungsstand sind für Elz vier Opfer der sog. „Euthanasie“ dokumentiert. Drei ehemals in Elz lebende Menschen jüdischer Herkunft überlebten die Zeit des NS-Terrors nachweislich nicht. Fliehen konnten sechs Bürger aus Elz jüdischer Herkunft. Aufgrund ihrer politischen Haltung (Zugehörigkeit zur KPD) wurde eine Gruppe von Männern aus Elz vor dem Kasseler Oberlandesgericht wegen Hochverrats angeklagt. Für den Hauptangeklagten dieses Prozesses, der neun Jahre seines Lebens im Zuchthaus und KZ verbringen musste, wird ebenfalls ein Stolperstein verlegt.

Am 15. Mai 2017 erfolgt die Verlegung von zunächst  8 Stolpersteinen. Die Biografien der Ermordeten und Verfolgten wurden unter  Hinzuziehung von Aktenmaterial aus dem Bundesarchiv Berlin, dem Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, dem Archiv des LWV Hessen, dem Stadtarchiv Limburg und dem Ortsarchiv Elz von Martina Hartmann-Menz erstellt, die sich über den Verlauf von mehr als drei Jahren mit der NS-Zeit in Elz befasst und diese erforscht hat.

Die Biografien der Menschen, für die am 15. Mai 2017 Stolpersteine verlegt werden, sollen in loser Reihenfolge zur Veröffentlichung kommen und für das Projekt werben. Das Stolpersteine-Projekt ist bewusst als „Bürgerprojekt“ ins Leben gerufen worden. Hierfür sollen keine öffentlichen Gelder verwendet werden. Auch mit der Finanzierung der Stolpersteine sollen die Ermordeten und Vertriebenen wieder in die Mitte der Gesellschaft geholt werden, der sie vor ihrer systematischen Ausgrenzung angehört hatten.

Spenden für die Finanzierung von Stolpersteinen werden auf das Konto IBAN: DE67 51050015 0530 000079 erbeten, bitte als Verwendungszweck „Stolpersteine“ angeben, eine Spendenquittung kann ausgestellt werden. Weitergehende Informationen bei der Gemeindeverwaltung Elz durch Sebastian Herborn, Tel. 957540, sowie grundsätzlich auf der Homepage des Projektes Stolpersteine www.stolpersteine.eu.

Bereits jetzt möchte der Gemeindevorstand auf eine Vortragsveranstaltung am 8. Mai 2017 im Historischen Rathaus hinweisen „Elz – ein (ganz normales) Dorf in der Zeit des Nationalsozialismus“ Martina Hartmann-Menz wird über ihre Forschungen berichten und die Biografien jener Menschen beleuchten, für die eine Woche später Stolpersteine verlegt werden sollen. (mhm)